Vom Salz der Erde, das Christinnen und Christen sein sollen, war bei der Blauen Stunde die Rede. Pfarrer Hermann Josef Eckl und die Band „Jazzymotion“ gaben Gelegenheit, darüber ins Nachdenken zu kommen.
Den besonderen Gottesdienst gestaltete dieses Mal die Band „Jazzymotion“, die aus vier überaus versierten Jazz-Musikern besteht. Die Musiker um Johannes Buhl unterstützten mit ihren Instrumenten gekonnt die besondere Atmosphäre der sonntäglichen, abendlichen Eucharistiefeier. Jedes zweite Monat findet sie in der Pfarrei St. Franziskus seit über einem Jahr statt. Besonderes Merkmal dieser Feier: eine gute musikalische Gestaltung und eine ansprechende Predigt. Dieses Mal führte Herman Josef Eckl die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher auf eine intensive Betrachtung des Sonntagsevangeliums hin.
Ausgehend vom menschlichen Geschmackssinn, der unter anderem „salzig“ wahrnimmt, entfaltet Eckl die Bedeutung des Salzes – sowohl naturwissenschaftlich als auch im übertragenen Sinn. Salz verleiht Speisen Würze und steigert ihr Aroma. Chemisch betrachtet kann reines Kochsalz (Natriumchlorid) seinen Geschmack nicht verlieren, wusste der Prediger. Zur Zeit Jesu jedoch wurde Salz häufig aus unreinen Quellen gewonnen. Wurde das eigentliche Natriumchlorid durch Feuchtigkeit herausgelöst, blieb eine geschmacklose oder bittere Restsubstanz zurück – das Salz war „schal“ geworden. Auf diesen historischen Hintergrund bezieht sich das Jesuswort im Evangelium.
Zugleich wird deutlich: Salz ist nicht einfach nur „rein“. Unterschiedliche Beimischungen – etwa bei Meer- oder Steinsalz – sorgen für vielfältige Geschmacksnuancen. Der salzige Geschmack entsteht zudem erst durch die Reaktion der Natrium-Ionen mit Rezeptoren auf der Zunge. Salz ist lebenswichtig für den menschlichen Körper, da es zentrale Funktionen wie den Wasserhaushalt, den Blutdruck sowie Nerven- und Muskelprozesse reguliert.
All das lasse Raum für Interpretation und Fehlinterpretation des Jesuswortes. Die Aufforderung, „Salz der Erde“ zu sein, könne leicht als Druck verstanden werden, den Glauben möglichst rein und unverändert zu bewahren. Daraus entstehe mitunter eine Haltung, die jede Weiterentwicklung oder zeitgemäße Auslegung der Botschaft Jesu als „Verunreinigung“ abwerte. Reformbestrebungen oder die Öffnung der Botschaft Jesu für alle Menschen würden dann als Verwässerung des Glaubens kritisiert.
Demgegenüber betont der biblische Text, dass Jesus nicht Perfektion oder vermeintliche Reinheit des Glaubens fordere. Vielmehr entspreche die Vielfalt unterschiedlicher „Salzsorten“ der Vielfalt menschlicher Lebenssituationen. Glaube gewinne gerade durch unterschiedliche Prägungen, Ausdrucksformen und Zugänge an Geschmack. Entscheidend sei, dass der „Geschmacksstoff“ nicht verloren gehe – also die lebendige Botschaft von Gottes Zuwendung.
Wie beim Kochen komme es auf das richtige Maß an, so der Prediger. Zu viel Salz verderbe ein Gericht, ebenso könne übersteigerter religiöser Eifer schädlich wirken. Glaube entfalte seine Wirkung erst im Dialog und in der Begegnung mit Menschen. Jesus selbst habe sein Gegenüber nie überfordert oder überwältigt. Nicht die Strenge von Vorschriften oder die vermeintliche Reinheit des Glaubens zählten, sondern die guten Taten und ein gelingendes Leben für alle. Ein solcher Glaube „schmeckt“, so war sich der Prediger sicher,– wie ein gutes Gericht, das mit einer Prise Salz gewürzt ist, aber nicht überdosiert wird.




