Pfarrer Christoph Seidl lädt dazu ein, einen bekannten Ausspruch aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
„Mach, was du willst“ – dieser Satz kann vieles bedeuten. Oft klingt er abwertend, gleichgültig oder sogar verletzend. Gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen fällt diese Bemerkung immer wieder, wenn Worte fehlen, die Geduld am Ende ist oder ein Konflikt nicht mehr weitergeführt werden soll. Doch kann dieser Satz auch etwas ganz anderes ausdrücken? Dieser Frage ging Pfarrer Christoph Seidl beim Gottesdienst der Blauen Stunde nach.
Auf den ersten Blick scheint das Motto wenig mit einem Gottesdienst und der Bibel zu tun zu haben. Schließlich begegnen uns in der Heiligen Schrift zahlreiche Gebote, Regeln und Vorschriften, die das Zusammenleben der Menschen ordnen sollen. Vieles scheint vorgegeben zu sein – von grenzenloser Freiheit und dem einfachen Motto „Mach, was du willst“ ist zunächst wenig zu erkennen.
Doch Pfarrer Seidl gelang es, dem bekannten Ausspruch eine überraschende und humorvolle Wendung zu geben. Dafür nahm er die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher mit in eine persönliche Erinnerung aus seiner Zeit als frischgebackener Priester.
Während der Frühbetreuung an einer Schule in Straubing wurde er eines Morgens von einem Schüler ziemlich unfreundlich angesprochen. Der Rektor bekam die Situation mit und wies den Schüler zurecht. Anschließend wandte er sich an den jungen Priester und gab ihm einen Satz mit auf den Weg, der die ganze Bedeutung des Abends auf den Punkt bringen sollte: „Wenn du die Kinder magst, dann mach, was du willst!“
Mit einem Augenzwinkern erzählte Pfarrer Seidl von dieser Begegnung. Plötzlich klang der zunächst so abwertende Satz ganz anders. Aus einer gleichgültigen Bemerkung wurde eine Ermutigung, aus einer scheinbaren Zurückweisung eine Einladung, aus dem „Mach, was du willst“ eine Haltung, die von Zuneigung und Vertrauen getragen ist.
Wenn die Liebe den Ton angibt
Damit war die Brücke zur Bibel geschlagen. Denn auch dort geht es bei allen Geboten und Vorschriften letztlich um die Liebe. Pfarrer Seidl erinnerte an die jüdische Glaubenstradition und das Glaubensbekenntnis, bei dem die Liebe zu Gott und die Ausrichtung des eigenen Lebens auf ihn eine zentrale Rolle spielen. Die Liebe soll den Alltag prägen und bei allem, was ein Mensch tut, vor Augen stehen.
Auch Jesus setzt einen klaren Schwerpunkt, als er gefragt wird, welches Gebot das wichtigste sei. Nicht eine lange Liste von Regeln steht im Mittelpunkt seiner Antwort, sondern die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Sie bildet den Maßstab, an dem sich das eigene Handeln orientieren soll.
Dieser Gedanke zieht sich auch durch die Kirchengeschichte. Der heilige Augustinus brachte ihn in dem bekannten Satz auf den Punkt: „Liebe und tu, was du willst.“ Wer wirklich aus der Liebe heraus handelt, braucht diesen Satz nicht als Freibrief für Willkür zu verstehen. Vielmehr verändert die Liebe den Blick auf andere Menschen und damit auch die Entscheidungen, die man trifft.
Denn wer einen anderen Menschen liebt, wird nicht einfach rücksichtslos tun, wonach ihm gerade der Sinn steht. Die Liebe fragt danach, was dem anderen guttut, was ihn stärkt und was ihm gerecht wird. Sie eröffnet Freiheit, ohne die Verantwortung füreinander aus dem Blick zu verlieren.
So bekam das Motto des Gottesdienstes eine tiefere Bedeutung: „Mach, was du willst“ – wenn die Liebe dein Antrieb ist, wenn du den Menschen mit Wohlwollen begegnest und dein Handeln von Herzen kommt.
Musik, Gemeinschaft und ein gelungener Ausklang
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von der Band Joy, die in großer Besetzung für einen stimmungsvollen Rahmen sorgte. Mit ihren Liedern lud sie die Besucherinnen und Besucher zum Zuhören, Mitsingen und Mitfeiern ein und verlieh der Blauen Stunde eine besondere Atmosphäre.
Im Anschluss an den Gottesdienst klang der Abend bei einem gemütlichen Beisammensein im Foyer aus. Auch die Musikerinnen und Musiker ließen den Abend gemeinsam ausklingen und trafen sich noch zu einem gemeinsamen Pizzaessen.
So blieb am Ende nicht nur ein humorvoller Satz aus einer Straubinger Schulgeschichte in Erinnerung, sondern vor allem eine Botschaft, die weit über den Gottesdienst hinausreicht: Wo die Liebe den Ton angibt, bekommt Freiheit eine Richtung. Oder, mit den Worten des heiligen Augustinus: „Liebe und tu, was du willst.“













