So wie seit vielen Jahren weltweit am 2. Sonntag im Dezember um 19 Uhr Familien, die ein Kind verloren haben, brennende Kerzen ins Fenster stellen, sind traditionell auch alle Eltern, die ein Kind oder einen Jugendlichen verloren haben, von der ökumenischen Klinikseelsorge am Universitätsklinikum Regensburg zu einem gemeinsamen Gottesdienst eingeladen. Die Gestaltung lag bei Pfarrerin Heidi Kääb und Pastoralreferent Dominik Peßler, das Thema lautete: Du sammelst meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie (Psalm 56,9).

Es kommen Eltern, die erst kürzlich ihr Kind verloren haben, aber viele folgen auch noch Jahre später der Einladung, egal, ob sie plötzlich mit dem Tod konfrontiert wurden oder ob sie sich darauf vorbereiten konnten.

Prof. Dr. Eckhard Nagel, Vater von 5 Kindern, zwei davon verstarben auch früh, sagt in seinem Buch Der Tod ist mir nicht unvertraut „Man weiß zwar: Letztlich beginnt das Sterben immer mit der Geburt. Mit dem Dasein. In meiner Erfahrung fällt das Geborenwerden eines Kindes oft damit zusammen, dass ein älteres Familienmitglied geht. Das ist die Spirale des Lebens: Der Ältere geht, und der Jüngere – oder die Jüngere kommt. Deshalb ist es besonders schwer, wenn diese natürliche Abfolge durchbrochen wird. Das schockiert und macht Angst. Wenn Kinder sterben, löst das eine noch unfassbare Verzweiflung aus.“

Tränen werden oft nicht geweint, sagt Pfarrerin H. Kääb, die die beiden onkologischen Kinderstationen (KUNO) unterstützt, Eltern unterdrücken sie und halten sie zurück. Doch bei Gott sind sie geborgen, sie alle sind gezählt. Symbolisch durften „Große“ und „Kleine“ bei einem Gedenkritual „ihre“ Glasträne, die sie am Eingang erhalten hatten, in einen Krug auf den Altar legen sowie auf den Stufen ein Licht abstellen.

Weil aus vielen Tränen lebendiges Wasser werden kann, keimt Hoffnung auf. Zaghaft wächst ein Pflänzchen des Weiterlebens heran, für die Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde, Schulkameraden…

Ich wünsche dir, dass du beweinen kannst, was du entbehrst und verloren hast, ohne in der Trauer Wurzel zu schlagen.

A. S. Naegeli

Und im Wasser – Quell allen Lebens – dürfen auch die Erinnerungen an das geliebte Kind wachgehalten werden, die Vorlieben, eine gemeinsam erlebte schöne Zeit, schmerzhafte Stunden….

Pastoralreferent D. Peßler zitiert beim Schlusssegen A. S. Naegeli:

„Ich wünsche dir, dass du beweinen kannst, was du entbehrst und verloren hast, ohne in der Trauer Wurzel zu schlagen.
Ich wünsche dir, dass du Zorn fühlen kann auf das, was Menschen dir angetan haben, ohne im Unversöhnlichen zu erstarren.
Heilender Friede wachse dir zu, dass Vergangenes dich nicht mehr quäle und böse Erinnerung dir nicht zur Fessel werde.
Zuversicht ziehe ein, wo die Ohnmacht haust, dass du aufstehst, dein Leben zu wagen.“

Eindrucksvoll musikalisch umrahmt wurde der Gedenkgottesdienst von der Gruppe „Joy“, nicht nur instrumental, auch stimmlich überzeugend, z.B. beim Antwortgesang „Herr erbarme dich“ auf die Fürbitten. Anschließend waren alle im Pfarrheim eingeladen zum Austausch und tröstendem Beisammensein.

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