Die Blaue Stunde ist ein Sonntagsgottesdienst mit einem besonderen Rahmen: blaues Licht, gute Musik, anspruchsvolle Predigt. In St. Franziskus fand sie ein weiteres Mal statt.

Pfr. Hermann Josef Eckl führte die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher in einen spannenden Gottesdienst ein. Der Zelebrant und Prediger analysierte: Viele Menschen finden sich mehr und mehr in virtuellen Welten. Die Möglichkeiten, die die Technik bietet, scheinen grenzenlos zu sein. Die Rettung des Menschen erhofft man sich zunehmend in der „Virtual Reality“. Ist ein Upload der eigenen Persönlichkeit in die Welt der Bits und Bytes gar der Griff nach der ersehnten Ewigkeit?

Das Buch der Offenbarung erzählt von einem „neuen Himmel und einer neuen Erde“, die Gott schaffen will. Wird der Mensch vielleicht in der Technik fündig, wenn er sich auf die Suche nach dem Bleibenden und seiner Unsterblichkeit macht? Ist Künstliche Intelligenz vielleicht jene Zutat, mit der Maschinen den Menschen als Krone der Schöpfung ablösen wollen? Oder meint die christliche Verheißung von einem neuen Himmel und einer neuen Erde doch etwas anderes?

Mit dem Hinweis auf den Hochleistungsrechner HAL 9000 in Stan Kubricks Film „2010“ erinnerte der Prediger daran, wie sehr die christliche Verheißung von einem neuen Himmel und einer neuen Erde aufs Engste mit dem Menschsein verbunden ist: mit seiner Begrenzung, mit seinem Leiden, mit seinem Sterben. „Kann eine vollständig automatisierte Realität wirklich leibhaftige menschliche Beziehungen ersetzen?“ so fragt Eckl und weiß die Antwort: „Der Himmel unserer künstlichen Paradiese ist nicht viel mehr als eine Wunschprojektion.“

Der Superrechner HAL gilt zwar als „verlässlichster Computer, der je gebaut wurde“, er muss aber zur Rettung seiner Mannschaft eine zutiefst menschliche Eigenschaft entwickeln: er muss seiner eigenen Zerstörung zustimmen und damit seine Perfektion überwinden. Dabei fragt er seinen Programmierer am Ende: „Doktor Chandra: Werde ich träumen?“ – „Ja, du wirst träumen, antwortet dieser. Alle intelligenten Wesen träumen. Und alle sterben.“ Am Ende hat das etwas mit Liebe zu tun, von der Jesus im Evangelium spricht: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. „Er lädt uns damit ein, uns auf seine Lebensweise einzulassen und so den »neuen Himmel« schon jetzt mitten unter uns Menschen zu entdecken.“

Passend zum Thema der Predigt war das Bild „Himmlisches Jerusalem“ von Heribert Krotter im Altarraum platziert: ein Bild, das aus vielen kleinen, ausrangierten Platinen zusammengestellt ist und mit seinen zahlreichen Lötverbindungen den Eindruck eines Stadtplanes zeigt. „Himmlisches Jerusalem“ nennt der Künstler sein Werk. Im Scheinwerferlicht reflektierte das Bild auf beeindruckende Weise und unterstrich damit die Gedanken des Predigers.

Die Band „Tau“ übernahm die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes, der für viele zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde.

Im Anschluss bestand Gelegenheit, auf dem Kirchplatz – im Abendlicht zur blauen Stunde – beisammen stehen zu bleiben und sich über die gelungene Feier auszutauschen.

Der nächste Gottesdienst im Rahmen der Blauen Stunde findet am Sonntag, 13.7., um 20:00 Uhr statt.

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