Zur Karfreitagsliturgie luden die Ministrantinnen und Ministranten mit ihren sogenannten Karfreitags-Ratschen ein. Ein hölzernes Gerät, das die Kirchenglocken an diesem besonderen Tag ersetzt.

Schon zeitig vor der Liturgie um 15:00 Uhr kamen die Ministrantinnen und Ministranten an der Kirche zusammen, um die Nachbarschaft der Kirche an die bevorstehende Liturgie zu erinnern und einzuladen. Der Brauch mit einer klappernden Holz-Ratsche zum Gottesdienst zu rufen, kommt von der katholischen Tradition, die Kirchturmglocken in der Zeit von Gründonnerstag bis zur Osternacht ’schweigen‘ zu lassen. So ‚ratschen‘ die Ministrantinnen und Ministranten eben vor Beginn der Feier.

Die Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu eröffente die Gruppe Wihmundia mit dem afrikanisch-amerikanischen Spiritual „Were You There When They Crucified My Lord“. Auf besonders stimmungsvolle und ansprechende Weise gelang es dem Quartett die Liturgie vom Karfreitag zu begleiten und zu prägen.

Die Pastoralreferentin Lea Rembeck legte in ihrer Predigt die Texte der Heiligen Schrift aus, die für den Karfreitag vorgesehen sind. Sie reflektierte die Frage, wie Menschen heute miteinander umgehen, ausgehend von der Leidensgeschichte Jesu (Passion). „Wie schnell wird ein Mensch ausgegrenzt, wenn er nicht der Mehrheit entspricht! Auch Jesus fiel den lauten Stimmen der Mehrheit zum Opfer.“ Die Pastoralreferentin fragte kritisch nach: „Wie leicht lassen sich Menschen von der Masse mitreißen – oft aus Angst oder Bequemlichkeit?“ Schlussfolgernd forderte sie dazu auf, das eigene Verhalten zu hinterfragen: statt mit der Masse zu urteilen. Menschen sollten hinschauen, zuhören und ehrlich miteinander umgehen. Wertschätzung bedeutet dabei nicht blinde Zustimmung, sondern echtes Interesse und Aufrichtigkeit, auch ein kritisches Wort. Und genau darin würde auch die Botschaft des Karfreitags deutlich: „Grausamkeit hat nicht das letzte Wort. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott lässt den Menschen nicht fallen. Auch dann nicht, wenn alle anderen ihn fallen lassen“, so die klare Überzeugung der Pastoralreferentin.

Zur anschließenden Kreuzverehrung wurde ein mit Zeitungsauschnitten beklebtes Holzkreuz in die Kirche getragen. Es entstand am vorausgehenden Palmsonntag. Alle Gottesdienstbesucher waren eingeladen, Zeitungsausschnitte von Berichten mitzubringen, in denen das Leid der Menschen unserer Tage sichtbar wird. Kinder beklebten das Kreuz mit Kleister und den Zeitungsschnippseln. „Seht, das Holz des Kreuzes, daran der Herr gehangen, das Heil der Welt“, so verehrte die versammelte Gemeinde die Hingabe Jesu für die Sünden der Welt.

Mit der Austeilung der Kommunion und dem Segen endete die Feier. Ein offener Schluss, da die Liturgie der Osternacht – die letzte der drei österlichen Tage – am Ostersonntag die Reihe mit der Feier der Auferstehung Jesu vollendet.

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