Stopp! „Da sagte Jesus: Lasst es! Nicht weiter! (Lk 22,51) – Künstler Dominik Schleicher und Dr. Judith Helmig, Präventionsbeauftragte des Bistums Regensburg, im Gespräch mit Monika Linder – dieses Mal zum Themenschwerpunkt „Missbrauch in der Kirche“.
Der Kunstkreis St. Franziskus lud zur Finissage, einem Austausch zum aktuell ausgestellten Kunstwerk „STOPP!“, für die Opfer von Missbrauch, Gewalt und Krieg ein. Dr. Monika Linder moderierte das Kunstgespräch zu diesem sensiblen Thema ‚Sexueller Missbrauch in der Kirche‘.
Dominik Schleicher, Steinbildhauermeister und Künstler aus Wolfring bei Amberg, beschrieb den Prozess der Entstehung seines Kunstwerks in Bronze. Er probiere seit Jahren an den Armen des Christus am Kreuz: die Haltung der Arme und Hände drückt für den Künstler mehr aus. „Ein Kunstwerk entwickelt sich, bedarf Zeit, es geschieht – es ist schwer zu beschreiben“, so der Künstler. Schleicher stellt in seinem Kunstwerk einen Christus in kreuzähnlicher Form, mit ausgestreckten, aber abwehrenden Armen dar. Sein Christus wendet sich beschämt, ja entsetzt von den Betrachtenden ab. „Dieses Kunstwerk will ausdürcken, dass dieser Christus mit Gewalt in jeglicher Form auf keinen Fall einverstanden, ja mehr noch erschüttert ist“, so brachte der Künstler dieses schwierige Thema in dieses besondere Kunstgespräch ein.
Dr. Judith Helmig war als Fachperson zu diesem Gespräch geladen. Sie leitet als Präventionsbeauftragte des Bistums Regensburg die dazugehörige Stabstelle. Zunächst sprach sie über ihre persönlichen Gedanken zum Kunstwerk, wie es auf sie wirkte, ohne ein Vorwissen zum Titel, den der Künstler seinem Werk gab. Es bedarf viel Anstrengung, um Wände zu verschieben. Das sei auch ihre Erfahrung mit der Präventionsarbeit allgemein. Viele erachten diese Arbeit als äußerst sinnvoll an, und dennoch ist sie mühsam, anstrengend, macht manchmal Angst.
Dieser Jesus ’schiebt – drückt‘ mit Kraft etwas von sich weg. Seine Hände rücken, verschieben Wände, machen neuen ‚Platz‘; durch die markante Armbewegung entsteht neuer Raum. So sei es auch mit der Aufgabe der Prävention vor Gewalt in der Kirche aus ihrer Erfahrung: Diese Aufgabe sei ebenfalls nicht leicht, weil sie viele Menschen einbezieht, ja ihr Mittun braucht. Menschen zu gewinnen, die bereit sind, aktiv zum Beispiel an einem Schutzkonzept der Pfarrei mitzuwirken, ist nicht immer einfach. Prävention nicht aus den Augen zu verlieren ebenso. Das Kunstwerk von Dominik Schleicher kann offenbar sehr unterschiedlich erlebt und empfunden werden. Es regte die an der Veranstaltung Interessierten zu vielfältigen Gedanken an.
Nähe und Tiefe entstand bei der Finissage besonders durch die ruhigen, klaren und eindrücklichen Worte von Richard Nusser, Mitglied im Betroffenenbeirat Regensburg, Opfer sexueller Gewalt in der Kirche, der als Gast zu dieser Begegnung gekommen war. Mit einfühlsamen und wertschätzenden Worten hob er die Bedeutung des Kunstwerks im Kirchenraum von St. Franziskus hervor. In seinem Ausdruck sei dieses Kunstwerk und das Aufstellen in der Kirche sehr gelungen, drückt das Werk doch die Wichtigkeit, das Ernstnehmen der Aufarbeitung eines schwierigen Themas aus. „Wie wichtig wäre es“, so sein Apell, „dass solche Werke in naher Zukunft in mehreren Kirchen ausgestellt werden würden.“
Im Austausch mit den Besuchenden ging Dr. Judith Helmig nochmals auf die große Bedeutung von Intervention ein. Es sind die leisen, kleinen Zeichen von Betroffenen, die gehört werden müssten; wir alle wären gefordert, unangemessenes Verhalten nicht zu bagatellisieren („der ist halt so – hab dich nicht so“). Aufklärung und sensibles, wachsames Umgehen mit kleinen Zeichen kann Gewalt und Leiden verhindern helfen, kann aufdecken helfen, vielleicht auch Leid begrenzen helfen und Menschen schützen.
Musikalisch wurde das Gespräch von dem StreicherInnentrio Ludeck, Krings, Liegel umrahmt .
Im Anschluss an das Gespräch lud der Kunstkreis zur Begegnung in den ‚Raum der Stillle‘ bei heißem Apfelsaft, Tee und Quiche ein. Anregende Gespräche, aber auch gegenseitiges Kennenlernen rundeten den Abend in angenehmer Atmosphäre ab. Ein Dank ging an Dr. Judith Helmig und Dominik Schleicher für ihre Bereitschaft zu diesem offenen Gespräch.
Die Pfarrgemeinde St. Franziskus hat in den vergangenen Jahren ein Schutzkonzept für schutzbefohlene Menschen erarbeitet und für alle Veranstaltungen und Räume der Pfarrei in Kraft gesetzt.












