Ein neues Jesuskind für St. Franziskus – unter dieser Überschrift arbeiteten der Kunstkreis, die Kirchenverwaltung und Pfarrer Michael Hoch daran, ein Kunstwerk für eine besondere Kirche zu finden. Bei Keramikmeisterin Michaela Geissler in Hörlkam wurden sie fündig.

Durch eine großzügige Einzelspende wurde die Anschaffung eines Keramik-Christkinds für St. Franziskus möglich. Der Entwurf zeigt ein „Fatschenkindl“ in einer sehr modernen Gestaltung. „Meistens sieht man in den Krippen der Kirchen ein Kind in frommer Haltung: die Hände gefaltet, die Figur lieblich und nett“, so Pfarrer Hoch, „hier sehen wir ein in Windeln gewickeltes, „gefatschtes“ Kind. Es deutet an, dass die Geburt Gottes im Menschen keine Geburt wie jede andere war.

‚Fatschen‘ bedeutet wickeln oder einbinden und leitet sich vom lateinischen Wort für Bündel (fascis) ab und bezeichnete ursprünglich das feste Einwickeln von Säuglingen in Stoffbinden. Früher war diese Art der Säuglingspflege nicht ungewöhnlich, heute ist sie zumindest umstritten.

Theologisch liegt in dem gefatschten, also gebundenen Kind eine tiefe Aussage: „Gott wird Mensch, uns Menschen zu erretten. Dieser Auftrag wird das Jesuskind bis ans Kreuz, ja sogar durch den Tod hindurch führen“, so Pfarrer Hoch; „das Kind in der Krippe ist der Gekreuzigte und Auferstandene, der die Fesseln des Todes aufsprengt.“

Wie kam es zu diesem Kind?

Anfang des Jahres 2025 entstand die Idee zur Anschaffung eines neuen, modernen Jesuskindes für die Pfarrkirche St. Franziskus. Eine ‚Figur‘ sollte es werden, welche sich in die schlichte, klare Architektur und die moderne Gestaltung des Kirchenraumes einfügt.

Der Kunstkreis der Pfarrei wurde angefragt, die künstlerische Vorauswahl zu begleiten und eine Empfehlung zu geben. Schnell wurde die bekannte und renommierte Keramikmeisterin und -künstlerin Michaela Geissler aus Hörlkam bei Landshut angefragt, sich mit dem Entwurf eines entsprechenden Modells zu beschäftigen.

Zahlreiche Besprechungen, gegenseitige Besuche, Entwürfe, Farbüberlegungen und mitunter kontroverse Diskussionen führten zu zwei unverbindlichen, kostenfreien Modellentwürfen von Michaela Geissler. Der Kunstkreis empfahl der Kirchenverwaltung im September 2025 mit einstimmigem Votum das schlichtere Modell. Die Kirchenverwaltung stimmte ebenfalls für den Vorschlag des Kunstkreises: ein ‚Fatschenkind in Windeln gewickelt‘, ca. 50 cm groß, auf einem Strohballen liegend, in hellen Farbtönen gestaltet, den Raumfarben der Pfarrkirche angeglichen, in Keramik modelliert und gebrannt.

Wie wurde dieses Kunstwerk gemacht?

Der technische Vorgang des Brennens ist für Großskulpturen nicht ganz einfach. Der Block, der als Strohblock für das Kind steht, wurde zuerst bei 920 Grad gebrannt. Der zweite Brand geschah bei 1150 Grad. Die Vorgänge dauern mehrere Tage und erfordern viel Fingerspitzengefühl, weil im Grundmaterial beim Brennen große Veränderungen passieren. Das Jesuskind und die Unterlage sind mit speziellen Verfahren gestaltet: Die Oberfläche wurde mit Porzellanengobe, Eisensalz und metallischer Sinterengobe vor dem Brennen mit dem Pinsel aufgetragen. Beim Brennvorgang entwickelt sich dabei die finale Farbgebung der Skulptur. Ob ein Brand gelingt oder nicht, stellt sich meist erst nach vielen Handgriffen und Mühen, ziemlich am Ende des Herstellungsprozesses heraus.

Was bedeutet die ungewöhnliche Gestaltung?

Die Gestaltung des modernen Jesuskindes kann vielfach gedeutet werden. Betrachtende finden darin sicher ihren je eigenen, vielleicht ganz anderen Weg zum Weihnachtsgeheimnis. Ein paar Denkanregungen könnten sein:

…in menschliche Windeln gewickelt, um die Fesseln des Todes zu brechen
Diesem Kind ist seine Mission in die Wiege gelegt: die Welt zu retten. Es ist dazu bestimmt, den Menschen aus seiner Verlorenheit zu befreien. Seine Hände sind von Anfang an  g e b u n d e n  ans Kreuz, seine Hingabe verändert die Welt. Dieses Kind wird erst am Ende seines Lebens die Leinenbinden endgültig ablegen. Dann wird sichtbar, wozu es einmal in die Welt gekommen war.

…die Herrschaft liegt auf seiner Schulter
„Auf den schwachen Schultern dieses neugeborenen Kindes soll die Herrschaft über die Welt liegen!“, so stellt Dietrich Bonhoeffer fest. „Eines wissen wir: Diese Schultern werden jedenfalls die ganze Last der Welt zu tragen bekommen.“

…die Botschaft muss sich entwickeln
Am Weg dieses Kindes bildet sich die Botschaft Jesu ab: Das Wort ist Fleisch geworden, um sich in unserem Leben zu  e n t w i c k e l n. Dieses Wort Gottes braucht Menschen, die sich von ihm ansprechen lassen. Durch sie erst wird sich das Reich Gottes in dieser Welt verwirklichen.

Impressionen aus dem Herstellungsprozess

Ein großer Dank an alle, die dieses Kunstwerk für St. Franziskus ermöglicht haben:

  • Einzelspende zur Finanzierung des Projekts
  • Kunstkreis St. Franziskus
  • Pfarrkirchenverwaltung St. Franziskus
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